Eigentlich wollte ich das hier ja schon vor zwei Wochen schreiben - und da hatte ich sogar damit angefangen. Allerdings bin ich damit nie weitergekommen, ich war meistens beschäftigt genug damit, am Abend noch zu schreiben, was wir an diesem Tag so angestellt hatten. Daher gibt es meine paar Gedanken zu vier Nächten im Kapselhotel nun etwas verspätet.

Man kann wohl getrost sagen, dass ein Kapselhotel - zumindest für uns Westler - eine doch eher ungewöhnliche Erfindung ist. Ganz grundsätzlich gibt es viele Kapselhotels, die nur für Männer (überwiegend) oder Frauen (eher selten) sind. Sofern man in einem Kapselhotel für beide Geschlechter ist - so wie wir das naheliegenderweise waren - sind die Geschlechter auf unterschiedlichen Stockwerken untergebracht. In unserem Hotel gab es von der "Lobby" (eigentlich war das nur ein Gang mit Tresen) aus zwei Aufzüge, einen für Männer, einen für Frauen. Beide Aufzüge haben jeweils nur auf den dem jeweiligen Geschlecht vorbehaltenen Stockwerken gehalten.

Unser Kapselhotel war super klimatisiert, auf dem Gang war es etwas kühl, aber in der Kapsel sehr angenehm. Auf jedem Stockwerk sind 19 Kapseln in zwei Reiehen übereinander untergebracht. Es gibt je Stockwerk einen Badraum mit drei Toiletten und drei Duschen, sowie drei Waschbecken. Außerdem ist dort für jede Kapsel auf dem Stockwerk ein schmaler Spind untergebracht. Insgesamt ist der Badraum sehr schön und vergleichsweise edel eingerichtet. Da es auch nie wirklich voll war und die Leute doch zu relativ unterschiedlichen Zeiten aufgebrochen sind, gab es auch nie das Problem, dass die Duschen nicht gereicht hätten.

Dusche im Kapselhotel

Die Kapseln selbst sind relativ geräumig mit 2,2 Meter Länge und jeweils 1,1m Breite und Höhe. Jede Kapsel wird vom Fußende her betreten und dort gibt es dann einen Rollo, mit dem man seine Kapsel verschließt. In jeder Kapsel gibt es eine "Kopfleiste" mit Steckdose, USB-Ladebuchse und einem Lichtdimmer für das Licht in der Kapsel. Außerdem gibt es zu beiden Seiten Lüftungsschlitze für die Klimaanlage und jeweils eine schmale Nische für Brillen oder ähnliche Gegenstände.

Kopfleiste in der Kapsel

Zum Schlafen war es eigentlich ziemlich bequem und es war sehr ruhig. Letzteres erfordert grundsätzlich einfach das Mitwirken aller Gäste auf dem Stockwerk, man ist schließlich nur durch relativ dünne Plastikwände, bzw. Stoffrollos zum Gang hin voneinander getrennt. Geholfen hat da natürlich auch, dass es nie ganz voll war.

Insofern war von den "äußeren Umständen" her eigentlich alles gut, aber trotzdem war ich froh, als wir dort raus waren: man ist halt weit weg von den anderen. Insbesondere wenn man in gemischt-geschlechtlichen Gruppen unterwegs ist, hat man keinen gemeinsamen Rückzugsort und kann abends eben nicht noch miteinander quatschen, sondern man verabschiedet sich in der Lobby am Aufzug. Und auch wenn wir eigentlich Glück hatten mit der Lautstärke - grundsätzlich ist es je nach Nacht dann doch etwas unruhig, wenn Leute erst gegen Mitternacht duschen und dann föhnen oder morgens zwei Stunden vor einem selbst raus müssen.

Außerdem gab es den noch etwas ätzenden Umstand, dass wir jeden Tag auschecken mussten - wir konnten das Gepäck zwar im Aufbewahrungsraum lassen, aber trotzdem mussten wir dann auch jeden Tag neu einchecken, bezahlen und so weiter. Etwas seltsam war dann, dass es am vorletzten Tag dann plötzlich hieß, wir hätten das Gepäck ja oben lassen können - obwohl es davor explizit hieß, dass alles raus soll und wir es unten lassen sollen. So ganz schlau wurden wir daraus nicht.

Nach allem, was ich sonst über Kapselhotels gehört habe, muss man sagen, dass unseres wohl überdurchschnittlich gut war. Trotzdem sind vier Nächte aber zu lang, vor allem, wenn man als Gruppe reist. Wenn möglich, werde ich es das nächste Mal vermeiden, nochmal in einem Kapselhotel zu landen - höchstens für eine Nacht, z.B. bei der An- oder Abreise. Andererseits hatten wir das ja auch dieses Mal nicht geplant gehabt und ich weiß nicht, ob ich in der gleichen Situation nicht doch wieder darauf zurückgreifen würde... aber allzu oft wird einem ja hoffentlich nicht drei Tage vorher die Buchung in Tokio storniert.