Der eigentliche Plan für heute war einfach nur nach Osaka zu gehen. Als wir aber gestern den Zugpass für gestern und heute gekauft haben, hat uns die nette Dame dort darauf hingewiesen, dass die Otokoyama Standseilbahn in diesem Zugpass dabei ist und dass am anderen Ende der Iwashimizu Hachimangū Schrein wartet. Ein über 1000 Jahre alter Schrein und einer von nur vier verbliebenen Schreinen in diesem Architekturstil.

Iwashimizu Hachimangū Schrein

Nachdem wir uns Bilder des Schreins im Netz angesehen hatten, haben wir beschlossen, dass dieser Schrein mit ins Programm rutscht und dafür gegebenenfalls ein Schrein in Osaka weichen muss. Es ging also zunächst mit dem Zug nach Yawata, der Bodenstation der Seilbahn. Von dort ging es dann 400 Streckenmeter oder 3 Minuten bergauf und plötzlich waren wir mitten im Wald, quasi im Niemandsland. Insofern hat mich die Bahn sehr an den Erbschleicherexpress in Stuttgart erinnert. Besonders schön war während der Fahrt die Sicht runter auf Kyoto.

Die Seilbahn endet zwar direkt am Schreingelände, aber zum einen noch einige Meter unter dem Schrein und zum anderen am "Kopfende" des Geländes, das heißt man läuft am Schreingelände entlang zum Eingang durch einen schönen Wald - zu Teilen sogar ein Bambuswald, bevor man schließlich am Eingang des Schreins ankommt. Der Schrein besticht vor allem durch sehr schöne und farbenprächtige Holzschnitzereien.

Schnitzereien am Iwashimizu Hachimangū Schrein

Außerdem gibt es neben dem Schrein etwas zunächst irritierendes - ein Denkmal für Thomas Alva Edison. Die Verbindung zwischen einem etwas neben Kyoto, mitten im grünen liegenden japanischen Schrein und dem Erfinder der Glühbirne ist erstmal nicht ganz offensichtlich, doch Edison nutzte für seine ersten Glühbirnen Bambus dieses Schreins als Glühdraht und erreichte damit Brenndauern von über 1000 Stunden. Irgendwie sehr passend befindet sich direkt vor diesem Denkmal eine Ladestation für Elektroautos.

Dann ging es wieder zurück zur Seilbahn, wir wollten ja schließlich nach Osaka. Da wir aber noch ein wenig Zeit hatten, bevor die Seilbahn wieder fuhr, sind wir noch die 61 Stufen (eventuell haben wir da seit gestern eine kleine Obsession mit Treppenstufen...) einer sehr ungleichmäßigen und etwas baufälligen Treppe neben der Station hinaufgestiegen und haben von einem Aussichtspunkt nochmal die Sicht auf Kyoto genossen.

Aussicht auf Kyoto

In Osaka ging es als erstes zur Burg, der Hauptattraktion. Dort sind wir zunächst mit dem Aufzug hinauf in den fünften Stock. Zum Glück gab es einen - uns hatte der "Spaziergang" vom Bahnhof zum Eingang gereicht, das waren eineinhalb Kilometer in knallender Sonne, man muss schließlich den Weg zwischen den beiden Wassergräben um die Burg irgendwie überwinden und dann liegt so eine Burg ja auch noch etwas erhöht... Von dort ging es dann doch noch drei Stockwerke die Treppe hinauf und im achten Stock erwartete uns schließlich eine Außenplattform, die einmal rundherum führte und eine schöne Sicht auf Osaka ermöglichte.

Burg Osaka

Da es sich bei der Burg Osaka - im Gegensatz zu den meisten anderen Burgen, die wir besucht haben - um einen Neubau (also Wiederaufbau, aber nicht mit historischen Methoden) des 20. Jahrhunderts aus Beton handelt, ist das Innere nicht wie oft relativ karg, sondern vollständig als Museum aufgebaut und stellt die Geschichte der Burg und die Bedeutung der Burg für die Vereinigung des japanischen Reichs dar.

Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten, haben wir uns auf den Weg zum Shitennōji Tempel gemacht, einem der ältesten Tempel Japans. Die Haupthalle war der erste Tempel, bei dem ich wirklich das Gefühl hatte, eine Gebetsstätte zu betreten - aber im Endeffekt lag das wahrscheinlich meist an den Touristenmassen: wenn man in Prag auf der Burg im Dom steht, dann fehlt auch das Gefühl für die Bedeutung des Ortes. Und im Shitennōji hatten wir das Glück, dass kaum Menschen da waren.

Shitennōji Tempel

Außerdem war es das erste Mal, dass wir in eine Pagode rein konnten und ganz nach oben konnten. Allerdings war das ganze nicht so furchtbar spektakulär: der meiste Platz wird von zwei Treppen eingenommen und die Wände sind voll mit Buddha-Statuen und hunderten kleiner Pagoden aus Holz oder Pagoden in Gold. Und für was diese Gebäude da sind, weiß ich auch immer noch nicht.

Und da auch der Tempel nicht direkt an einer Bahnhaltestelle liegt, haben sowohl unsere Füße, als auch der Blick auf die Uhr gesagt, dass der Sumiyoshi Taisha Schrein in Osaka - wie bereits einkalkuliert - dieses Jahr nicht auf dem Programm steht.

Nach einer Pause, um unsere Füße zu entspannen, sind wir noch vor ans Wasser gefahren, um mit einem 112,5m hohen Riesenrad zu fahren und dabei eine schöne Sicht über die Stadt und die Bucht von Osaka zu haben. Direkt neben dem Riesenrad hatte ein riesiges Kreuzfahrtsschiff angelegt gehabt, das Platz für knapp 5000 Passagiere und 1500 Mann Besatzung bietet und insgesamt 18 Decks. Aber obwohl das Schiff natürlich riesig ist, ist das Riesenrad zum Glück höher, sodass wir zum einen einen Blick auf das Oberdeck erhaschen konnten und vor allem aber eine gute Sicht hatten.

Sicht vom Riesenrad