Heute starteten wir nach dem Frühstück mit einem Abstecher zu den Bow Falls und mit gleichzeitiger Sicht auf das Hotel Banff Faremont. Das ist ein imposantes Luxushotel am Stadtrand unter dem Berg in den Wald eingebettet. Wir hatten ja mal überlegt, dort zu übernachten - aber trotz aller zu findenden Rabatte waren das in der günstigsten Nacht für uns immernoch über 250€, das war uns dann doch zu viel.
Zunächst ging es raus in Richtung Lake Minnewanka, einem großen See ein wenig außerhalb von Banff. An der Straße auf der anderen Seite trafen wir wieder einen Elch - dieses Mal haben wir es sogar mit Foto geschafft!
Nach dem einen oder anderen kleinen Fotostopp starteten wir unsere kleine Wanderung (oder großen Spaziergang?) an der Bootanlegestelle. Der Weg führte am See und später am Cascade River entlang teils direkt am Unter entlang, teils durch den Wald - in jedem Fall traumhaft schön. Je weiter wir kamen, desto mehr verengte sich der Fluss zu einem kleinen Canyon, dem Stewart Canyon. An einer Brücke über den Canyon konnten wir nochmal schöne Bilder schießen, bevor es auf gleichem Weg wieder zurück zum Auto ging.
Vom Lake Minnewanka fuhren wir zu der zwischen dem See und Banff gelegenen Geisterstadt Bankhead - beziehungsweise dem, was von der Stadt noch übrig geblieben ist. Nachdem die Canadian Pacific Railway die transkontinentale Strecke gebaut hatte, wurde natürlich auch Kohle für die Dampfloks benötigt. 1903 wurde in dem Gebiet, das später Lower Bankhead werden sollte, von dem Eisenbahnunternehmen eine Kohlemine gegründet. 1905 wurde eine Siedlung für die Arbeiter und ihre Familien gebaut, Upper Bankhead. Alle Gebäude der Stadt gehörten dem Unternehmen und wurden an die Arbeiter vermietet. Für die Zeit waren die Gebäude sehr modern, sie hatten Toilette, fließendes Wasser und Strom. Da Kohle jedoch zunehmend günstiger wurde und die Förderung in Bankhead jedoch gleichzeitig teuer war, währte das Glück der Stadt nur 17 Jahre - die Mine wurde geschlossen und die Regierung verfügte, dass die Stadt auch aufgegeben werden musste. Die meisten Häuser wurden umgezogen und stehen noch heute z.B. in Banff. Von der Stadt selber sind vor allem im Bereich der Mine noch Gebäudeüberreste geblieben, sowie einzelne Gegenstände, wie z.B. Förderzüge, Generatoren oder Wasserpumpen.
Zum Mittagessen ging es zurück in die Stadt und zum (zweiten) Nachtisch folgten wir einer Empfehlung meiner Kollegin und aßen Beavertails, also Bieberschwänze. Beavertails sind frittierte Backwaren mit Zucker und Zimt drauf - an ehesten wohl mit unseren Fasnetsküchle zu vergleichen. Allerdings sind sie so lang gezoggen, dass ihre Form der eines Bieberschwanzes entspricht. Mit dem Nachtisch bewaffnet, spazierten wir zum Kidney Home, einem der alten Bankhead Häuser, das, nachdem die Stadt aufgegeben wurde, nach Banff umgezogen wurden.
Die heißen Quellen bei Banff sind das Herzstück des ersten kanadischen Nationalparks - daher wollten wir uns eigentlich die Ausstellung dazu anschauen - aber als wir ankamen, standen wir vor verschlossenen Türen. Irgendwie ist das mit dem Lesen der Öffnungszeiten so eine Sache und das mit "Dienstag geschlossen" hatten wir nicht wahr genommen...
So hieß es nun doch wieder ab ins Auto und los Richtung Jasper. Immerhin mussten wir nicht so weit - heute stand nur die Hälfte der Strecke auf dem Programm, wir würden die Nacht in einem Motel mitten im Nationalpark verbringen. Da der Bow Valley Parkway am hinteren Ende bei Banff ja leider immernoch gesperrt war, ging es zunächst wieder auf den großen Trans-Canada-Highway. Dort stand kurz nach Banff auch schon der erste Fotostop mit schöner Sicht auf das Bow-Tal und die Berge an. Kurze Zeit später, als wir endlich auf die andere Flussseite auf den Bow Valley Parkway wechseln könnten, hatten wir eine tolle Sicht auf den Castle Mountain - so imposant, wie er über das Tal wacht, hat er seinen Namen redlich verdient.
Auf dem Parkway erwartete uns ein weiterer toller Aussichtspunkt, Mourant's Curve. Mitten in einer langgezogenen Kurve öffnet sich der Blick in das Tal und zeigt neben dem Fluss und den dahinterliegenden Bergen auch die Eisenbahnschienen, die sich dem Fluss entlangwinden.
Danach ging es - zur Abwechslung ohne weiteren Stopp - weiter bis auf den Icefield Parkway. Dort ließ der erste Stopp jedoch nicht lange auf sich warten - Herbert Lake hatten wir auf dem Hinweg ausgelassen. Der See liegt ganz still und friedlich eingebettet in Bäume und dahinter Berge.
Auch der nächste Fotostopp war an einem See, dieses Mal am Bow Lake. Dort erwartete uns ein friedlich-imposantes Schnee-Panorama.
Da wir die Ausfahrt zum Aussichtspunkt über den Crowfoot Gletscher verpasst hatten, fuhren wir nochmal zurück. Glück im Unglück waren das jedoch nur ein paar Kilometer. Ursprünglich hatte der Gletscher - wie ein Krähenfuß - drei Zehen. Der untere ist jedoch mittlerweile abgeschmolzen und auch der mittlere leidet zunehmend. Nichtsdestotrotz ist der Gletscher total beeindruckend.
Am hinteren Ende des Bow Lakes kam auch schon der nächste Aussichtspunkt, dieses Mal mit Sicht auf den Bow Gletscher. Die darunter liegenden Bow-Gletscher-Wasserfälle wirkten auf die Distanz gefroren und die zuvor lose Idee, dort morgen hinzuwandern und das aus der Nähe anzuschauen, nahm zunehmend Gestalt an.
Der letzte Zwischenstopp war am Upper Waterfowl Lake. Von der Straße aus ist das total unscheinbar - ein verwaschenes Schild weißt auf einen Aussichtspunkt hin und der Parkplatz ist von dichten Bäumen umgeben. Eher aus einer Laune heraus haben wir auch hier angehalten, da wir genügend Zeit hatten. Ein kleiner, etwas vereister Trampelpfad führte ziemlich steil hinab zum Seeufer. Erneut lag ein großartiges Panorama vor uns. Im Vordergrund ein zugefrorener See, in dessen Mitte das Wasser in einem schönen blaugrün weiterströmte, und im Hintergrund eine Bergwand mit nicht weniger als vier Gletschern.
Nachdem wir uns wieder zum Auto hochgekämpft haben, sind wir bis zur Kreuzung der Straße mit dem Fluss Saskatchewan gefahren. Dort liegt besagtes Motel mitten im Naturpark. Es ist eigentlich fast ein eigenes, kleines Dorf. Es gibt dort eine Tankstelle (die einzige an dem 240km langem Highway - mit entsprechenden Preisen), einen Supermarkt, ein Café, ein Restaurant, einen Pub, eine eigene Stromerzeugung usw. - alles was man eben so braucht. Internet gibt es nur gegen Aufpreis und Handyempfang hat man - wie an der ganzen Strecke - gar nicht, da es in dem Herzstück der Nationalparks keine Funkmasten gibt. Nach einem Bisonburger und einem Besuch im Pub ging es daher zur Abwechslung ganz ohne Internet ins Bett.