Zu zweit in einem Queen-Size-Bett zu schlafen hat ganz gut funktioniert, sodass wir uns ausgeschlafen auf den Weg in die Stadt machen. In der altbekannten Bäckerei organisierten wir Frühstück und Mittagessen. Außerdem sammelten wir in dem Informationszentrum noch aktuelle Informationen über Wanderwege und Empfehlungen ein.
Heute ging es zunächst zum Maligne Canyon. Der Canyon, der vom Maligne River durchflossen wird, wird von insgesamt sechs Brücken überspannt. Die sechste Brücke ist ganz unten am Flusslauf, wo sich der Fluss durch einen Wald windet, während die erste und zweite Brücke ganz oben am Canyon sind, wo sich der Fluss dutzende Meter in den Fels gegraben hat.
Den Namen haben Fluss und Schlucht von einem belgischen Mönch, der einst große Probleme damit hatte, den Fluss mit seinem Pferd zu durchqueren. Er soll den Fluss als "maligne" beschrieben haben - ein französisches Wort, dass im Englischen wohl am besten mit "wicked" und im Deutschen mit "heimtückisch" übersetzt wird.
Auch wenn die meisten Wanderwegbeschreibungen erst an der fünften Brücke beginnen und dann den Canyon nach oben laufen, wollten wir uns das untere Stück nicht entgehen lassen und haben bereits an der sechsten Brücke geparkt und dort zunächst gefrühstück. Frisch gestärkt folgten wir einem wunderschönen Weg in der Morgensonne durch den Wald am Fluss entlang.
Am Wegrand auf dem Weg zur fünften Brücke gibt es immer wieder Quellen, bei denen Wasser quasi aus dem Fels direkt unter dem Weg in einer schier unfassbaren Menge herauskommt. Wie wir später erfahren sollten, liegt das an einem der größten unterirdischen Fluss-Systeme der Welt. Das Wasser versickert im Medicine Lake ein gutes Stück nördlich des Canyons im Fels. Dieser Fels ist quasi ein Schweizer Käse und transportiert das Wasser bis in den Canyon hinein. Dort gibt es ganz viele Stellen, an denen das Wasser aus dem Felsen gedrückt wird. Je nach Wasserstand des Sees und damit auch des Flusssystems sind unterschiedlich viele Quellen unterschiedlich stark aktiv.
Ab der fünften Brücke verengt sich das Flussbett zunehmend und wird zu einem Canyon. Die Wege werden steiler und, da es die letzten Tage relativ warm war und auch geregnet hat, matschig-rutschig. In der Schlucht konnten wir wieder viele kleinere Wasserfälle beobachten. Eine Besonderheit dieser Schlucht sind die ganzen Quellen aus den Felsen auf verschiedensten Höhen - zwischen unten direkt über dem Wasser und ganz oben als größerer oder kleinerer Wasserfall ist alles dabei.
Ab der vierten Brücke wurde der Weg wieder besser und der Canyon gleichzeitig immer tiefer. Immer wieder gab es tolle Felsformationen zu bestaunen. An der dritten Brücke trafen wir auf eine Schulklasse - deren Lehrer wöllte ich nicht sein, so wie die die rutschigen Wege runtergesprungen und gerannt sind, hätte ich echt Panik bekommen, was da alles passieren kann. Wir waren ganz froh, dass wir an der Brücke auf sie trafen und nicht an einer schmalen Wegstelle, aber so konnten wir während die an uns vorbeistürmten einfach in Ruhe den Wasserfall fotografieren.
Die zweite Brücke spannt sich über eine mehr 50m tiefe Stelle der Schlucht - total beeindruckend, wie tief sich das Wasser eingegraben hat! An der ersten Brücke - quasi dem Anfang des Canyons - konnte man schön den Wasserfall beobachten und wie sich das Wasser in den Felsen fräst.
Dann ging es über einen kürzeren Weg oben am Berghang zurück, so wollten wir die ganzen Flusswindungen und matschigen Stellen im Canyon vermeiden. Dabei haben wir aber festgestellt, dass das zunächst ein Panoramaweg mit toller Aussicht auf Jasper und den Hausberg, den Whistler, ist. Der Rest des Weges ging zwar zum Teil steil aber wunderschön durch den Wald zurück, bevor wir das letzte Stück noch unten am Fluss entlang liefen.
Mit dem Auto fuhre wir den Canyon entlang wieder hoch und weiter bis zum Medicine Lake. Dieser war ziemlich trocken, es sah eher nach einem Fluss in einem riesigen Flussbett aus, aber bei der Schneeschmelze ist der See wohl voll. Da es mit der Sonne schön warm war, setzten wir uns sogar außen auf die Picknickbank und genossen unser Mittagessen.
Danach ging die Fahrt am See entlang weiter Richtung Maligne Lake. Auf dem Weg hatten wir viel Glück, erst posierte ein Bergziegenbock gemütlich auf der Straße und ein wenig später sahen wir dann zwei Moose - eine Elchart - beim Kampf am Straßenrand.
Am Maligne Lake machten wir eine kleine Rundwanderung durch den verscchneiten Wald zum Moose Lake (Elch-See), der vor allem als Wasserquelle für Wildtiere bekannt ist. Aber Wildtiere beobachten war wortwörtlich ein kalter, da der See zugefroren war und somit natürlich keine allzu gute Wasserquelle abgab.
Von dort wanderten wir zurück zum Maligne Lake, genossen die Ruhe und Stille am Ufer und die Aussicht auf das andere Ufer und die Berge, bevor wir zurück in die Stadt gefahren sind. Auf dem Weg begegneten wir wieder der Bock - dieses Mal hatter er sogar seine Familie dabei. In der Gaststätte der lokalen Brauerei haben wir einen köstlichen Elch-Hackbraten gegessen und das Spiel der Kansas City Chiefs geschaut.