Heute stand wieder wandern auf dem Programm. Als Ziel hatten wir uns den Johnston Canyon ausgeguckt. Dort gibt es zwei größere Wasserfälle, jede Menge kleinere Wasserfälle und Tintenfässer - aber dazu später mehr.
Davor stand nach dem Frühstück aber noch ein Abstecher in das Informationszentrum des Nationalparks auf dem Programm. Dort wurden wir darauf hingewiesen, dass es dort zum Teil so rutschig ist, dass wir besser Schuhketten haben sollten - im Grunde das gleiche Prinzip wie die Schnehketten beim Auto. Daher haben wir uns die noch gekauft.
Auf dem Weg zum Johnston Canyon sind wir zunächst drüber gestolpert, dass der direkte Weg gesperrt ist - das ist die Sperrung des Bow Valley Parkways, die wir an unserem Ankunftstag umfahren hatten. Aber zum Glück kommt man über einen (etwas größeren) Umweg doch noch ans Ziel oder besser an den Startpunkt der Wanderung.
Der Weg führt zunächst direkt am Wasser in der Schlucht entlang und ist gut ausgebaut, sodass bis zu den unteren Wasserfällen viele Touristen und Spaziergänger unterwegs waren.
Vorbei an vielen kleineren Wasserfällen, Stromschnellen und größeren und kleineren Eiszapfen wanderten wir zu den unteren Wasserfälle weiter. Diese kann man von vier Stellen beobachten. Direkt unterhalb der Fälle gibt es eine Brücke, die über den Fluss führt und von der man die Fälle von unten sieht. Hinter dieser Brücke gibt es einen Höhleneingang, der auf einen kleinen Balkon über dem Becken zwischen den beiden Stufen führt - so steht man quasi mitten im Wasserfall!
Auf dem Weg zu den oberen Wasserfällen kommt man an den beiden anderen Aussichtspunkten vorbei, die eine Sicht von oben ermöglichen. Der Weg führte dann teilweise oberhalb des Canyons entlang und war zum Teil schon deutlich steiler - entsprechend weniger Menschen waren hier noch unterwegs. Wie schon auf dem Weg zu den unteren Fällen, gab es auch hier viele Kleinode und tolle Stellen im Canyon zu entdecken - insbesondere die tollen Eiszapfenvorhänge haben es mir angetan.
An den oberen Fällen führte zunächst ein Steg unterhalb der Fälle entlang, sodass man diese von unten sehen konnte und oberhalb gab es dann noch einen kleinen Aussichtsbalkon. Auf dem Weg zwischen den beiden Aussichtspunkten sind wir noch einem Eichhörnchen begegnet, das sich zunächst in aller Ruhe beim Knabbern an einer Nuss fotografieren lies und danach noch ein wenig posierte, bevor es wieder Richtung Baum verschwand.
Danach ging es weiter in Richtung der Ink Pots (wörtlich "Tintenfässer"), das sind insgesamt fünf Quellseen, von denen jeder eine andere Farbe hat, da das Wasser mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aus dem Boden kommt und somit unterschiedlich viel Sediment mitführt. Der Weg führte zum Teil auf sehr steilen und dabei rutschigen und vereisten Pfaden durch den Wald - mitten durch eine wunderschöne Winterlandschaft.
Der Weg führte deutlich über die Höhe der Inkpots hinaus, sodass wir bereits auf dem Hinweg gut 100 Höhenmeter wieder hinabsteigen mussten (und das heißt, dass die auf dem Rückweg auch wieder nach oben geklettert werden müssen...). Immerhin wurden wir oben mit einer grandiosen Aussicht belohnt.
Die Ink Pots waren leider überwiegend zugefroren, sodass man die unterschiedlichen Farben eher erahnen musste. Im nicht zugefrorenem See konnte man zuschauen, wie das Wasser durch den Boden gedrückt wurde - der Grund des Sees brodelte an der Stelle. Daneben lagerten sich die Sedimente in feinen Mustern ab.
Für die steilen Abstiege auf dem Rückweg habe ich dann doch die Schuhketten dran gemacht. Ich war vorher zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob die Dinger wirklich helfen - aber man hat einen super Halt und kann auch problemlos auf den vereisten Stellen einfach runterlaufen, als ob man es mit trockenem und festem Grund zu tun hätte.
Am Auto angekommen ging es zurück nach Banff zu den oberen heißen Quellen. Es gibt nach einer Wanderung nichts entspannteres als in einem Außenpool bei 39°C Wassertemperatur den Blick auf die schneebedeckten Berggipfel ringsum zu genießen. Da das Wasser sehr schwefelhaltig ist, dufteten wir und später auch unser Zimmer trotz gründlichen Duschens leicht nach Schwefel...
Zum Abschluss und zur Feier des Tages (Thanksgiving in Kanada!) gab es als Abendessen im Pub ein köstliches Drei-Gänge-Truthahnmenü.