Da das Wetter heute insgesamt etwas nass war, ging es erst nochmal zurück in die Stadt: es ging in eine Spielhölhle - den Ort, an dem die japanische Jugend gerne ihre Zeit verbringt. Auf sechs Stockwerken findet man dort von Greifautomaten über Glücksspiel, Videospielautomaten bis hin zu Karaoke-Räumen alles mögliche, wo man sein Geld lassen seine Zeit verbringen kann.
Dort ist es vor allem... laut. Jeder Automat versucht seinem Spieler das Gefühl zu geben, dass es nur seine Geräusche gibt, entsprechend laut ist es, wenn man daneben steht. Bei den Videospielautomaten gab es alles mögliche - von Geschicklichkeitsspielen, Musikspielen (mit Gitarren oder Schlagzeug) bis hin zu Autorennspielen und Shootern. Besonders Spaß hatten wir beim Air-Hockey und vor allem beim Mario Kart spielen.

Von dort sind wir zum Kamigamo-Schrein, ein alter und berühmter Schrein, dessen Geschichte bis mindestens ins achte Jahrhundert zurück geht. Besonders bekannt ist der Schrein für die beiden Sandkegel, die wohl eine Reinigungsfunktion für den Schrein haben - genau weiß ich das aber nicht. Allerdings weiß ich, dass man natürlich heiligen Sand abgepackt kaufen kann - an Schreinen und Tempeln gibt es fast alles zu kaufen, was sich auch nur irgendwie, eventuell zu Geld machen lässt.

Da allerdings ein Großteil des Hauptgebäudes eingerüstet war, war vom Schrein selber leider gar nicht so viel zu sehen. Am Rande des Schreingeländes haben wir jedoch noch einen schönen kleinen Weg mit vielen roten Toren den Berg hoch gefunden, wo uns nochmal ein kleiner Nebenschrein erwartete.
Da es schon am späten Nachmittag war, haben wir den nächsten Teil der japanischen Küche erkundet: wir haben Gyōza gegessen, eine ursprünglich chinesische Teigtasche, die (entfernt) mit unserer Maultasche vergleichbar ist. Auch wenn das gar nicht schlecht schmeckt - wenn ich die Wahl hab, bleib ich dann doch bei unseren Maultaschen. Danach sind wir am Kamagawo entlang heimwärts spaziert.
Gegen sieben Uhr sind wir nochmal losgezogen, uns erwartete nochmal ein Highlight, das es nur im Sommer gibt: wie ich ja schon im Nara-Bericht erwähnt habe, ist Obon. Da der 16.08. der letzte Tag von Obon ist, gibt es in Kyoto am Abend Gozan Okuribi, um den Seelen der verstorbenen Ahnen, die während Obon die dieseitige Welt besuchen, den Weg zurück ins Jenseits zu zeigen. Dazu werden auf fünf Bergen um Tokio große Schriftzeichen und Symbole als Leuchtfeuer entzündet.

Wir sind dafür in einen Park gefahren, von wo man zumindest vier der fünf Symbole sehen kann. Es war dort hoffnungslos überlaufen, aber wir haben die Leuchtfeuer trotzdem sehen können. Was ich allerdings nie verstehen werde, sind Menschen, die einen etwa einen Kilomater entfernten Berg mit ihrem LED-Blitzchen vom Handy fotografieren wollen - was das genau bewirken soll, übersteigt meine Phantasie.