Heute sind wir wieder zunächst zu zweit aufgebrochen - aus einer ehemaligen Kaiserstadt in die andere: es ging nach Heijō-kyō, heute bekannt als Nara. Dazu sind wir mit der Kintetsu gefahren - der größten privaten Eisenbahn in Japan.
Wir sind zunächst ins Stadtzentrum des 8. Jahrhunderts gefahren - an den Palast Heijō. Dieser ist - nachdem Nara ab Ende des 8. Jahrhunderts nicht mehr Kaiserstadt war - verfallen und quasi in Vergessenheit geraten. Das Stadtzentrum hatte sich danach zu den Tempeln verlagert - diese hatten im Gegensatz zum alten politischen Zentrum ihre Bedeutung nicht verloren. Zum Glück aus unserer heutigen Sicht wurde dieses Gebiet nie wieder bebaut, sondern nur zum Reisanbau genutzt.
Im letzten Jahrhundert kam jedoch zunehmend der Wunsch auf, dieses alte Kulturerbe zu bergen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seitdem werden ausführliche archäologische Forschungen durchgeführt und zunehmend Gebäude mit den alten Baumethoden wieder rekonstruiert. Zur Zeit sind die frührere Audienzhalle und das große Haupttor des Palastgeländes rekonstruiert und aktuell wird das innere Tor zum Gelände vor der Audienzhalle wieder aufgebaut.
Wir sind zunächst zum großen Haupttor des riesigen Palastgeländes gewandert und sind - auch um der Hitze zu entfliehen - erstmal in das Informationsgebäude, das auch eine kleine, aber sehr informative Ausstellung über die Geschichte, den Aufbau und das Leben der Menschen im Palast enthält.

Danach haben wir nochmal das Haupttor bewundert und sind dann die fast eineinhalb Kilometer vorbei an Fundamenten anderer Palastgebäude bis zum anderen Ende des Geländes zur früheren Audienzhalle gewandert. Diese haben wir ausführlich besichtigt und insbesondere den Thronplatz bewundert.


Von dort sind wir mit dem Bus in das heutige Zentrum von Nara gefahren und wurden im Nara-Park zuallererst von den vielen freilaufenden Rehen begrüßt. Heute war der Umgang mit den Rehen viel entspannter als auf Miyajima - zum einen weil wir wussten, wie durchaus hinterlistig und gierig die Tiere sind und zum anderen, weil hier das Füttern der Tiere mit speziellen Keksen erlaubt war und dann natürlich die Menschen mit Futter interessanter waren als wir.

Wir haben uns zunächst auf den Weg zum wohl berühmtesten Tempel Naras gemacht, dem buddhistischen Tōdai-ji Tempel. Dieser Tempel ist nicht nur das größte, nur aus Holz gebaute freistehende Gebäude der Welt, sondern beherbergt auch noch eine mitte des 8. Jahrhunderts fertiggestellte, über 15m hohe Buddha-Statue aus Kupfer.


Von dort sind wir zum Kasuga-Taisha gewandert, einem Schrein, der vor allem für seine riesige Sammlung an Laternen bekannt ist. Diese sind alle Wege bis zum Tempel hoch, oft dreifach gereiht, aufgestellt. Insgesamt sind es über 3000 Laternen.

Mittlerweile zu dritt fieberten wir dem Abend entgegen, erwartete uns da dann noch ein besonderes Highlight - der Grund, warum wir ausgerechnet heute nach Nara gefahren sind. Heute sind zwei Feste zusammengefallen: das Ende des Nara Takae, ein schönes Laternenfest, an dem der ganze Nara-Park mit aufgestellten Kerzen-Laternen erleuchtet wird und Chugen Mantoro, ein Fest um Obon (buddhistischer Feiertag, um die Geister der verstorbenen Ahnen zu retten) zu feiern.

Zum Ende von Nara Takae wurde nicht nur der Park, sondern sogar der Tōdai-ji beleuchtet und außerdem wurde das Fenster, aus dem der riesige Buddha hinausschauen kann, geöffnet. Das ist eine seltene Gelegenheit und passiert nur an zwei Tagen im Jahr.

Von da sind wir vorbei an vielen Laternen im Park wieder zum Kasuga-Taisha gewandert. Dessen 3000 Laternen sind wegen Obon erleuchtet. Solange Menschen nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass sie ja ihre LED-Leuchte ihres Handys als zusätzliche Lichtquelle nutzen können, ist das sehr schön und stimmungsvoll - auch wenn es meine Handykamere vollständig überfordert hat.
Als letztes Ziel haben wir einen Teich im Park angesteuert. Auf dem Weg dorthin sind wir an schön dekorierten Laternen vorbeigekommen. Am Teich gibt es einen über dem Wasser schwebenden Pavillon, wo auch alles schön beleuchtet war - inklusive kleiner Boote mit Lampions. Dort haben wir uns noch gemütlich ans Ufer gesetzt und unser an einem Essensstand gekaufte Essen gegessen.
Am Ende mussten wir uns dann etwas beeilen, dass wir rechtzeitig zum Bahnhof kommen - wir wollten in Kyoto schließlich noch den letzten Bus bekommen.