Gestern bekamen wir eine Mail unserer Unterkunft in Takayama, dass nach Takayama ein Ersatzfahrplan gilt und ob wir uns dessen bewusst sind. Das waren wir nicht - weder in der Bahnauskunft noch auf Google Maps war das eingepflegt. Wir hatten daher gestern Abend noch beschlossen, dass der Tag heute mit einem Ausflug zum Bahnhof beginnen sollte - wir wollten das Ticket für heute Abend kaufen und rausfinden, was uns heute Abend erwarten sollte..., dass das nicht viel mit der Realität zu tun hatte, kann ich jetzt schonmal spoilern. Die Dame hatte uns erklärt, dass Aufgrund starker Regenfälle ein Teil der Takayama Line nach Takayama gesperrt sei, weshalb wir ab Inotani einen Ersatzbus nach Takayama nehmen müssten. Alternativ hätte es auch einen schon gegen vier Uhr fahrenden zweieinhalbstündigen Fernbus gegeben, in dem aber sämtliche Sitzplätze ausgebucht waren. Wir hatten uns daher letztlich für die Umstiegsverbindung mit der Bahn entschieden, obwohl wir da eine dreiviertel Stunde Wartezeit auf den Bus einkalkulieren mussten.

Frisch mit Reservierungen, bzw. einer Fahrkarte für den Abend ausgestattet, ging es schließlich los - schnell noch unser Reisbällchen-Frühstück kaufen und dann ab in den Schlosspark von Kanazawa. Dort sind wir zunächst auf einen kleinen und sehr süßen Garten gestoßen. Dort sind wir auch auf einen älteren Japaner gestoßen, der als Freiwilliger dort Ausländern weiterhilft, und er hat uns ein wenig über das Gärtchen und das Schloss erzählt. Diese Freiwillige findet man in Japan übrigens ganz oft.

Gärtchen im Schlosspark Kanazawa

Dann haben wir uns vor das Schloss auf eine Bank gesetzt und gefrühstückt. Das Schloss selbst ist nicht im Original erhalten, sondern wurde vor knapp 20 Jahren originalgetreu wieder aufgebaut - was seine Schönheit nicht mindert. Außerdem haben wir ein erhaltenes großes Lagerhaus für Reis und zwei der riesigen Tore zum Schlossgelände bewundert. Überhaupt hatten wir heute Glück mit dem Wetter - es hatte nur knapp 30° und vor allem waren da jede Menge Wolken, sodass wir keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren.

Schloss Kanazawa

Danach ging es in den direkt daneben gelegenen Kenrokuen Landschaftsgarten - wohl einer der drei schönsten in Japan. Dort haben wir den Nachmittag über entspannt verbracht, den Garten erkundet und japanisches Shave-Ice gegessen - man gibt zunächst einen Sirup (in unserem Fall: Zitrone, Melone, Erdbeere oder Blue Hawaii) in ein Schälchen und schabt dann mit einer Maschine von einem großen, klaren Eisblock ganz fein Eis ab. Das ist ziemlich cool und lecker - auch wenn ich Blue Hawaii so schnell nicht mehr bestelle, aber dieses blaue Zeug war dann doch zu verlockend. Der Landschaftsgarten war wunderschön - obwohl wir einmal wieder gemerkt haben, dass wir einfach zur falschen Jahreszeit da sind.

Wasserfall und Teich im Kenrokuen

Laterne im Kenrokuen

Nachdem wir den ganzen Park erkundet hatten, sind wir nochmal zurück zum Hostel, da wir dort unser Gepäck lassen konnten. Da wir noch eine Stunde bis zur Abreise hatten, haben wir uns in den Aufenthaltsraum gesetzt und ein wenig UNO gespielt - es war schön einfach mal ganz entspannt etwas anderes zu tun. Eigentlich hatten wir uns dann auf eine einigermaßen entspannte Reise nach Takayama gefreut, aber das kam dann etwas anders...

Der erste Teil der Reise war nach Plan - mit dem Bus zum Bahnhof und von dort 20 Minuten mit dem Shinkansen nach Tayoma. Von dort sollte uns der Zug nach Inotani bringen - da wartete die erste Überraschung auf uns: unser Zug war ein ziemlich alter, geradezu nostalgisch anmutender Dieseltriebwagen. Der rüttelte und wackelte da auf eine einigermaßen abenteuerliche Weise auf einer eingleisigen Strecke durch die Gegend und mitten durch Dörfer hindurch. Während der Zug zu Beginn noch ziemlich voll besetzt war, war er zum Ende hin praktisch leer. In Inotani angekommen, waren wir einigermaßen geschockt - der Bahnhof, in dem wir da warten mussten, war dermaßen heruntergekommen und verratzt, wie man es sonst eigentlich höchstens aus Deutschland kennt. Außerdem war der Warteraum nach außen offen, sodass sich jede Menge Insekten von dem hellen Licht angezogen fühlten. Darunter waren neben jede Menge fliegenden Zeug, das um uns rumgeflattert ist, auch zwei sehr große und eklig aussehnde Käfer. Wir waren inzwischen mit zwei Französinnen allein, die auch nach Takayama wollten.

Dank eines Aushangs wussten wir mittlerweile immerhin, dass die Strecke seit dem großen Unwetter am 07. Juli, das auch in Deutschland in den Nachrichten war, gesperrt ist. Weshalb diese Information weder in Fahrplanauskünften, noch auf der Status-Seite der JR zu finden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. So oft ich über die DB schimpfe und mir im Krisenfall bessre Kommunikation wünsche, so muss ich doch sagen, dass sie die JR in dieser Hinsicht um Welten übertrifft - sowohl bezüglich der Selbstauskunft, als auch bezüglich des Wissensstandes des Personals, das einem Fahrkarten verkauft, doch dazu gleich mehr.

Zum Glück kam der Bus dann schon eine Viertelstunde vor der Abfahrt, sodass wir uns in den Bus flüchten konnten. Dort erwartete uns aber die nächste Überraschung: anstatt - wie von der Dame am JR-Schalter erklärt - von Inotani innerhalb von eineinhalb Stunden direkt nach Takayama zu fahren, fuhr der Bus nur eine Teilstrecke und die verbleibenden 45 Minuten mussten wir wiederum in einen Zug umsteigen. Ebensowenig stimmte ihre Auskunft, dass Janni sich für den Bus dann noch ein extra Ticket kaufen müsste - nur doof, dass es nur einen Automaten hab, weshalb sie das Ticket gekauft hat. Im Bus benötigte sie gar kein Ticket, im Zug danach hätte sie ein Zugticket gebraucht. Zum Glück hat der nette Bahnmitarbeiter in Takayama das Busticket akzeptiert - so war es immerhin nicht ganz umsonst gekauft und es wurde nicht noch ein Zugticket fällig. Immerhin entsprach dieser Zug dann zwar viel mehr unseren Erwartungen an einen japanischen Dieseltriebwagen - allerdings ist die ganze Umsteigerei mit dem Gepäck echt nervig. Netterweise hat der Busschaffner uns noch gezeigt wo wir hin mussten und war dann auch so lieb, einen unserer Koffer über die Brücke über die Gleise zu tragen - so musste ich nicht beide Koffer schleppen. Inzwischen hatten wir unsere Wahl längst bereut und wären lieber mit dem Bus un den Stehplätzen gefahren. Aber immerhin haben Bahnen und Bus uns drei und die beiden Französinnen letztlich doch nach Takayama gebracht.

Kurz vor zehn sind wir dann leider doch einigermaßen erschöpft in unserem Hostel angekommen. Und morgen früh erwartet uns vor der Erkundung von Takayama erstmal das nächste Abenteuer: es geht zum Bahnhof in Takayama, wir brauchen für abends eine Fahrkarte nach Kyoto und wie soll ich sagen - ein Teil der Strecke hat glaub wieder Schienenersatzverkehr...