Heute waren Papa und ich getrennt unterwegs. Während Papa sich auf den Weg in den Lighthouse Park machte, um ein weiteres Stück Regenwald zu sehen, ging ich zum Wasserflugzeug-Terminal im Hafen von Vancouver - mich reizte der Flug mit einem Wasserflugzeug mehr.

Da ich Stand-By fliegen wollte, also nur mitkommen würde, wenn ein Platz frei blieb, hatte ich mich für die am häufigsten bediente Strecke nach Victoria entschieden. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass hier dieses Wochenende schon Thanksgiving ist, sodass es der Start des langen Wochenendes ist und entsprechend viel los ist. So dauerte es knapp fünf Stunden, bis ich einen Platz ergattern konnte. In der Zwischenzeit erkundete ich die Downtown zu Fuß und machte immer wieder Abstecher zum Terminal, wenn wieder ein Flug ging, auf dem möglicherweise ein Platz frei könnte.

Schließlich hat es geklappt und es ging mit einem "Single Otter", einer kleinen Propellermaschine mit einem Propeller und Platz für höchstens 14 Passagiere los. Da es hier keine gesicherten Cockpit-Türen gibt - es gibt schlicht gar keine - konnte ich aus der zweiten Reihe dem Piloten bei seiner Arbeit super zuschauen. Da etwas Wind ging und da ja auch regelmäßig Schiffe fahren, fühlte sich der Start an wie auf einer Buckelpiste. So zuckelten wir mit etwa 210km/h (schneller wird es bei der Maschine nur im Sinkflug) auf 500-850m Flughöhe los Richtung Victoria. Schnell war auch klar, weshalb neben einer Spucktüte an jedem Platz ein Set Ohropax zur Verfügung gestellt wird - die Maschine ist echt laut und man bekommt ein Gefühl, wieviel Kraft notwendig ist, so einen Eimer Blech in die Luft zu bekommen und dort zu halten, etwas, was die moderne Verkehrsfliegerei sehr geschickt zu verstecken weiß.
Single Otter Wasserflugzeug

Auch wenn ich meine Knie irgendwo in der Rückenlehne der Reihe vor mir hatte, war der Flug großartig - durch die niedrige Flughöhe hatte man eine tolle Sicht und man hatte das Gefühl die Fliegerei wirklich zu erleben. Besonders die Sicht auf die vielen Inseln vor Vancouver Island war beeindruckend.
Inselsicht

Viel zu schnell landeten wir nach etwa 35 Minuten im Hafen von Victoria und fuhren bis zum inneren Hafen, quasi mitten in die Stadt. Da ich erst so spät mitgekommen bin, war meine Zeit in Victoria leider sehr begrenzt und es hat nur gereicht, einmal die beiden bekanntesten Gebäude fotografieren zu gehen - das Empress Hotel und vor allem das Parlamentsgebäude.
Parliament

Dann musste ich schon wieder zurück zum Hafen und schauen, ob auf einem Flug Platz für mich ist - ich wollte ja nicht in Victoria stranden. Der Backup-Plan war die Fähre, aber wenn man Wasserflugzeug fliegen kann...

Bereits beim zweiten Flug hat es geklappt, sodass ich den Backupplan nicht brauchte. Stattdessen ging es mit dem "Twin Otter" zurück - einer Propellermaschine für bis zu 19 Passagiere mit zwei Propellern. Insgesamt wirkte die Kabine deutlich moderner und mehr "verkehrsflugzeugtypisch", von Leselampen bis hin zu individuellen Luftdüsen. Zudem war etwas mehr Platz für die Beine.
Twin-Otter

Durch die höhere Start- und Landegeschwindigkeiten spritzt bei dem Flugzeug bei Start und Landung immer Salzwasser an die Fenster, entsprechend schwierig ist es da vernünftige Bilder zu machen - aber trotzdem hat es ab und zu geklappt und sogar die Skyline von Vancouver habe ich einmal schön erwischt.
Vancouver Skyline von oben

Nach diesem Abenteuer war ich mit Papa im Stanley Park zum Sonnenuntergang am Strand verabredet. Auf dem Weg dorthin bin ich noch einigen Waschbären über den Weg gelaufen. Heute hatten wir mehr Glück mit dem Sonnenuntergangswetter - es waren einige Wolken am Himmel und so gab es einen tollen Sonnenuntergang zu bestaunen. Nach einem persischen Abendessen ging es zurück zur letzten Nacht in Vancouver.
Sonnenuntergang