Unser erster ganzer Tag in Mailand stand ganz im Zeichen von La Madonnina - der kleinen Madonna. Die kleine Madonna ist eine knapp 4m große Madonnenstatue - allerdings trohnt sie auch auf über 100m Höhe auf der Spitze des Mailänder Doms, weshalb sie so klein wirkt.
Wir starteten den Morgen bei strahlendem Sonnenschein mit einem kleinen Spaziergang zur Endstation der Tram 2 - die fuhr uns dann direkt bis vor den Dom. Nachdem wir da - wenn auch gegen die Sonne - die ersten Bilder von der beeindruckenden gotischen Fassade des Doms gemacht hatten, organisierten wir uns zu allererst Tickets für den Dom, das Domdach und das Dommuseum. Ursprünglich wollten wir die ja online kaufen, aber bei einem Ticketpreis von 13€ pro Person für den Onlineverkauf nochmal 1,50€ Bearbeitungs- und Servicegebühr zu verlangen ist dann doch eher dreist...

Nachdem wir unsere Tickets hatten und uns erst an der Schlange für den Besuch im Dom anstellen wollten, wurden wir netterweise darauf hingewiesen, dass es für uns Sinn macht, zuerst auf das Dach hochzugehen: dort ist die Schlange kürzer und vom Dach kommt man direkt in den Dom rein. Die Schlange war zwar deutlich kürzer, aber ganz schnell ging es auch nicht. Vor uns waren in der Schlange zwei Menschen mit großen und vollgepackten Rucksäcken - die hatten im Prinzip ihren ganzen Hausstand dabei. Aber als wir da schließlich durch waren, ging es erstmal gut 160 Stufen nach oben auf das Dach des linken Querhauses und linken Seitenschiffes.
Von dort hatten wir einen großartigen Blick auf die Stadt und konnten die unfassbare Anzahl an Türmchen und die noch viel zahlreicher vorhandenen Statuen bewundern. Auf dem Dom gibt es sagenhafte 135 Türmchen und etwa 3500 Statuen.

Nach weiteren 80 Stufen waren wir auf dem Dach des Mittelschiffs angekommen. Leider waren große Teile des Daches und auch der Vierungsturm eingerüstet. Das ändert jedoch nichts an dem tollen Blick, wobei in der Ferne sogar die Alpen zu erahnen waren.

Von dort ging es - über das Dach des rechten Seitenschiffs und Querhauses - zu einem Treppenhaus, das uns direkt in das rechte Querhaus des Doms hinein führte. Dort erwartete uns direkt das, was den ganzen Dombesuch prägen sollte: faszinierende Statuen, schöne Altäre und großartige Glasfenster. Da wir insgesamt drei Lateiner waren, hatten wir immer wieder unseren Spaß damit, lateinische Inschriften zu übersetzen - auch wenn das öfter mal mit munterem Raten verbunden war.

Besonders faszinierend war dort die Statue des heiligen Bartholomäus - nicht nur, dass er gehäutet dargestellt ist und seine Haut als Umhang trägt, sondern vor allem die Tatsache, dass die Statue aus dem 16. Jahrhundert stammt und beeindruckende anatomische Details zeigt.

Wir besuchten im Dom zudem die Krypta und die archäologischen Ausgrabungen, aber das Kirchenschiff selbst war definitiv deutlich faszinierender und fesselnder, sodass wir letztlich den ganzen Vormittag und Mittag im und auf dem Dom verbrachten. Da ich mich ziemlich spontan vor dem Urlaub noch mit einer neuen Kamera bewaffnet hatte (Handyfotos sind ja doch irgendwie nicht ganz das Gelbe vom Ei...), war der Dom eine erste tolle und spannende Spielwiese für mich - was man vielleicht an den vielen Bildern hier auch ein wenig merkt.

Nachdem wir uns nach dem Dombesuch wieder an die gleisende Helligkeit draußen gewöhnt hatten, stärkten wir uns mit einem Sandwich und unserem ersten Eis (vieeeeeel besser als hier in Deutschland!). Wir setzten uns dann noch ein wenig hin und ruhten unsere Füße aus - am Nachmittag stand schließlich noch eine zweieinhalbstündige Stadtführung zu Fuß an. Die Stadtführung war eine free walking tour, das heißt die Teilnahme ist kostenlos und die ganze Sache ist spendenfinanziert - jeder soll am Ende geben, was ihm die Tour wert war. Unser Guide entführte uns - gespickt mit kurzweiligen Legenden - in die verschiedenen Epochen der Mailänder Geschichte und zeigte uns die zugehörigen Gebäude.
Das unbestrittene Highlight war aber die Kapelle direkt neben der Chiesa di San Bernardino alle Ossa. Die Wände dieser Kapelle sind fast vollständig mit Knochen und Schädeln dekoriert. Die Schädel dienen dabei als Dekorationselement - sie bilden Kreuze in den Knochen oder werden als Sims-Dekoration genutzt. Die ganzen Knochen und Schädel stammen aus dem (Massen-)Grab eines mittelalterlichen Krankenhauses. Nachdem dieses aufgelöst wurde, wurden auch die zugehörigen Gräber aufgelöst und mit diesen Überresten wurde diese Kapelle dekoriert.

Nach der Kapelle landeten wir wieder beim Dom und es folgte das zweite Highlight. La Madonella ist ja nicht nur ein Wahrzeichen Mailands, sondern war gleichzeitig auch sehr lange die Grenze, wie hoch in Mailand gebaut werden durfte - höher als die Madonella war undenkbar. Nachdem das dann im 20. Jahrhundert dann doch irgendwann erlaubt wurde, wird jedoch seitdem auf jedem neuen höchsten Gebäude eine kleine Replik aufgestellt, sodass die Madonella stets den höchsten Punkt Mailands darstellt. Außerdem beglückte uns unser Guide noch mit einer Darbietung der (inoffiziellen) Hymne Mailands Oh mia bela Madunina.
Über die Galleria Vittorio Emanuele II (Einkaufsgalerie mit mehr als sündhaft teuren Preisen...) und die Scala (Mailänder Oper) führte er uns schließlich zur Mailänder Börse mit einer modernen Skulptur davor - einer Hand, der alle Finger - außer dem Mittelfinger - abgeschnitten wurden. Da heute ja Freitag ist, sind wir auch einer kleiner Gruppe "Fridays for Future" Demonstranten vor der Börse begegnet.

Als wir danach zum Dom zurückkehrten, hatten wir die Sonne im Rücken, sodass das Fotografieren des Portals zu einer deutlich angenehmeren Übung wurde als am Morgen. Nach einem weiteren Abstecher in den Galeria, wir mussten noch ein paar Preise anschauen und uns wundern, ging es mit der Tram zurück zu unserem Haus und wir machten die Küche unsicher. Nach einer Riesenportion Risotto und übrigen Nudeln vom Vorabend veranstalteten wir noch einen kleinen Spieleabend und machten uns viel zu spät (oder früh am Morgen?) auf die Reise in Richtung Bett...
